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Du hast Fragen rund ums Thema Höhle? Hier findest Du
alle passenden Antworten. Die Texte wurden dankenswerter Weise von Robert
und der Höhlen AG der Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen
zur Verfügung gestellt.
1)
Was erwartet einen in der Höhle?
Dies
wäre die am häufigsten gestellte Frage, aber irgendwie fällt
sie niemandem ein. Die
Leute erkundigen sich nach der Länge der Höhle, der Temperatur,
dem
Wetter vor 2 Tagen, wie lange man in der Höhle war und warum,
aber
die eigentliche Frage, die nie formuliert wird ist die in der Überschrift.
In
der Regel beantwortet man also alle diese Fragen und irgendwann ist
dann
die Antwort auf die Hauptfrage mit dabei.
2)
Nun, was erwartet Dich also?
Als
erstes und vor allem: Dreckig werden. Hier ist nicht diese harmlose
Sorte Waschmittelwerbungsdreck gemeint, die jeder Mutter so vertraut ist
und
sich nur auf das neue T-Shirt bezieht.
Es
geht auch nicht um ein marmeladenverschmiertes Kindergesicht. Nein.
Hier
geht es um echten, um fundamentalen Dreck. Den Rückstand aus der
Höhlenbildung, alles, was das Wasser nicht oder nur streckenweise
wegtransportieren konnte in jedweder Körnung und Klebefähigkeit.
Dies ist die Hauptsache: Dreck, Lehm und Schmutz.
Alle
anderen Eindrücke kommen erst an zweiter Stelle.
Es
gibt eine Unzahl von verschiedenen Sorten Dreck:
sandiger
Dreck,
der sich dem Darüberkriechenden sanft und angenehm anschmiegt,
um sich nebenbei in alle Ritzen zu zwängen und jeden Ausrüstungsgegenstand
unbrauchbar macht.
Es
gibt den nassen Schlamm, der sich unter einer harmlos spiegelnden
Wasserfläche verbirgt, aber nach dem ersten scheuen Schritt keine
Zweifel an seinen Absichten aufkommen läßt.
Er
ist kalt, nass, schleimig und verschlingt Gummistiefel mit schmatzenden
Geräuschen.
Es
gibt den zähen Lehm, der auf den ersten Blick wie einfacher,
trockener Boden wirkt. Der
Gesichtsausdruck des Erfahrenen, wenn er ein typisches saugendes Geräusch
hört, erklärt
den Rest: Die übliche Fortbewegungsmethode auf zähem Lehm gibt
es nicht, weil
man in erster Linie klebt. Es
klebt nicht nur der Schuh am Boden, sondern
nach kurzer Zeit auch der Helm, mitgebrachtes Material,
die
Handschuhfinger aneinander und übrigens auch die beiden Handschuhe
zusammen.
Es
gibt den groben Schotter, oberflächlich sauber ausgewaschen
aber lose und zum Stolpern einladend. Dazwischen
findet sich feinerer Schotter und die Sorte Dreck, die man aus Pfützen
kennt (unterhalb der flüssigen Phase) und langsam und konsequent
den Besucher mit einer Tarnschicht überzieht.
Allen
diesen Sorten Dreck ist eines gemeinsam: Sie färben Dich ein.
Sie färben die Kleidung, die Hände und das Gesicht. Sie färben
die Unterwäsche und - glaub mir - es gibt keine Waschkraft, die ihn
jemals wieder entfernt.
Dreck
ist zwar nicht alles in der Höhle, aber alles ist dreckig.
3)
Ist es dunkel da drin?
Es
ist nicht nur dunkel sondern ganz, ganz, ganz finster. Jemand, der sich
fernab jeder Zivilisation nachts in einem Wald befindet, weiß schlagartig
was der Begriff "stockdunkel" bedeutet oder die Redensart " man
sieht die Hand vor Augen nicht ". Er weiß aber noch lange nicht,
was dunkel in der Höhle heißt.
Folgendes
Experiment kann eine vage Vorstellung vermitteln.
Gehe
im Winter nachts ins Badezimmer. Die
Heizung muß seit mehreren Stunden abgeschaltet sein.
Die
Wohnung muß menschenleer sein, noch besser das ganze Haus oder am
besten das ganze Wohnviertel.
Irgendwelche
nachleuchtenden Gegenstände sind mit schwarzen Tüchern zu behängen.
Lass
kaltes Wasser in die Wanne laufen, setz Dich so auf den Rand der Wanne,
dass Deine nackten Füsse im kalten Wasser sind. In der Hand mußt
Du einen nassen Kalkbrocken halten (etwa 3 kg schwer).
Ein
Wasserhahn muß tropfen.
Die
Tür ist natürlich zu. Lass die Augen offen! Das ist sehr wichtig.
Außerdem
mußt Du unbedingt frieren bei diesem Experiment.
Jetzt
warte etwa eine Stunde.
Verläßt
Du das Badezimmer und stellst fest, dass Du es länger als 2 Minuten
ausgehalten hast, dann hast Du eine Vorstellung.
Aber
Du weißt noch nicht Bescheid.
Um
nochmal auf die Frage zurück zu kommen: Ja,
es ist dunkel!
4)
Warum macht man so etwas?
Es
ist das Unbekannte, das lockt. Hinter jeder Ecke ist noch Neues,
Unerforschtes
das es zu entdecken gilt. Jeder, der vor irgendeinem Loch gestanden hat,
weiß
was gemeint ist. Es kann der Eingang zu einem Stollen, einem Keller,
einem
Tunnel oder einer Höhle sein. Die
Anziehungskraft des Unbekannten ist magisch und groß.
Es
ist die Formenwelt. Höhlen sind vom Wasser geschaffene Gebilde.
Das
Wasser hat den Stein gelöst und weggespült und dabei einen unterirdischen
Gang geschaffen, der mal völlig rund und glatt, dann wieder geriffelt
und zackig, oder
auch durch nachbrechende Steine eckig und kantig aussieht.
Formen,
die im Untergrund erhalten bleiben, da sie nicht der Verwitterung an der
Oberfläche ausgesetzt sind. Und dann die Tropfsteine.
Das
Wasser lagert in den Gängen Kalk ab und läßt so die wildesten
Sorten von Kalkvorhängen, Säulen und Kaskaden entstehen. Filigrane
Kristallnadeln und monstöse Monolithen schaffen einen bizarren Märchengang,
eine neue, eine verlorene Welt.
Es
ist die Bewegung. In Höhlen gibt es große Schluchten und kleine
Durchschlüpfe. Es
gibt Bäche und Seen, Felsblöcke und Wände. Vielerlei Hindernisse,
die
es zu überqueren gibt und an denen man sich "austoben" kann.
Wer
nach einer Höhlentour nicht müde ist, war
nicht richtig drin und wer seine blauen Flecken zählen will, muß
mehr können als das kleine Einmaleins.
Warum
also macht man so etwas? -> Es
ist faszinierend....und es macht Spaß!
5)
Was braucht man, um so etwas machen zu können?
Ausrüstung,
gesunden Menschenverstand, Naturliebe und Lust am Leben.
Wenn
man Wert darauf legt, dass man die Höhle nach dem Betreten auch wieder
Verlassen kann, dann ist der wichtigste Ausrüstungsgegenstand das
Licht. Damit ist keine Kerze gemeint sondern zwei bis drei zuverlässige
elektrische Lichtquellen, von
denen alle auch die Dauer der Begehung überstehen würden.
Verletzen
kann man sich überall, auch beim Brötchenschneiden.
Der
wichtigste Unterschied in der Höhle ist die große Entfernung
zu einer Behandlungsmöglichkeit. Und die Schwierigkeiten die zwischen
Dir und dem Höhleneingang liegen. Deswegen ist man nie allein! Unter
keinen Umständen.
Und
es sollte jemand außerhalb der Höhle sein, der nicht nur weiß
wo Du und Deine Gruppe bist, sondern auch, wann Du wieder draußen
sein möchtest und ab wann man dann Hilfe holen sollte.
Dass
man keine Tropfsteine mit nimmt ist wohl klar. Aber auch darüber
hinaus sollte man sich im klaren sein, dass man sich in einem empfindlichen
Ökosystem mit vielen Kleinlebewesen aufhält und dass auch vergängliche
Formationen wie vom Wasser geschaffene Lehmpyramiden erhaltenswert sind.
Es gibt Stellen, an denen Lehmburgen gebaut werden können, aber noch
viel mehr Stellen, an denen man das besser bleiben läßt.
->
Draufgängertum und Leichtsinn ist die beste Voraussetzung für
einen Unfall.
Bewegt
man sich einigermaßen umsichtig in der Höhle ist man dort aber
sicherer als nicht nur auf der Straße, sondern auch auf dem Gehweg.
Wenn
Du jetzt immer noch Fragen hast ...
...
dann bist Du der Richtige um bei der Jugendgruppe einzusteigen.
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